DIE PRESSE vom 14.3.94 Kultur

Ohne die Episode Romantik


VON MICHAEL MAIER

Alte mit Neuer Musik zu konfrontieren war das Ziel eines Konzertes im Klosterneuburger SCHÖMER-HAUS. Intendant Karlheinz Essl jun. hatte den Arnold Schoenberg Chor und Mitglieder des Ensembles die reihe eingeladen, um Heinrich Schütz mit Giacinto Scelsi, Firedrich Cerha, Roman Haubenstock-Ramati und Luigi Nono zu konfrontieren. Man nutzte die Architektur des Hauses. Mit antiphonalem Gesang sollte an die Möglichkeiten der Markuskirche in Venedig erinnert werden.

Die Leistungen des Schoenberg-Chores unter Erwin Ortner zu würdigen, hieße Eulen nach Athen zu tragen: Homogenität der Stimmen sowie perfekte Intonation, bei den Zeitgenossen bewährt mit der Stimmgabel gehalten, sind längst die Markenzeichen des Chores.

Daß dennoch keinen Bruch zwischen Schütz und der Moderne zu hören war, lag an der präzisen Programmzusammenstellung: Ob Scelsis Sphärenklänge oder Cerhas konsequente Strukturen, ob Haubenstock-Ramatis Neuerfindung der "Klangrede" oder Luigi Nonos schmeichelnde Italianità: Alle Kompositionstechniken stehen irgendwie in der Nachfolge des Barock, so, als habe es nie einen Kontinuitätsbruch durch Episoden wie die Romantik gegeben. Das Konzert konnte der Bestätigung dieser These dienen.



Updated: 4 Sep 2000

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