JÖRG IMMENDORF
1945 geboren in Bleckede, in der Nähe von Lüneburg
2007 gestorben in Düsseldorf
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Jörg Immendorff im Atelier vor seinem Bild “In meinem Salon ist Österreich”, 1995
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Wartebiene II, 1992
Öl auf Leinwand
230 x 170 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung
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Persönliche Daten
| 1963 – 64 |
Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf
(zunächst 3 Semester Bühnenbild bei Theo Otto, 1964
Aufnahme in die Klasse von Joseph Beuys) |
| 1965 – 66 |
verschiedene Aktionen und Manifestationen an der Kunstakademie |
| 1968 – 70 |
LIDL-Kunstaktionen in Düsseldorf und in anderen Städten des In- und Auslandes |
| 1969 |
Verweis von der Akademie wegen seiner provokanten Aktionen |
| 1968 – 80 |
Kunsterzieher in Düsseldorf |
| 1976 |
erste Begegnung mit dem Künstler A.R. Penck in Ostberlin; erstes gemeinsames Kurzmanifest zur Zusammenarbeit als Kollektiv |
| 1979 |
Mitarbeit in der Grünen / Bunten-Bewegung, „Initiative Bunte Liste Düsseldorf“ |
| 1981 |
Gastprofessur an der Konsthögskolan in Stockholm |
| 1984 |
Eröffnung des Café Paloma, St. Pauli, Hamburg |
| 1984 – 85 |
Gast-Lehrtätigkeit an der Werkschule Köln und an der Akademie der Bildenden Künste, München |
| 1986 |
Bühnenbild und Kostüme zu Richard Strauss’ Oper „Elektra“ am Bremer Stadttheater |
| 1989 – 92 |
Professur an der Städelschule in Frankfurt am Main |
| 1996 |
übernimmt eine Professur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf |
| 1997 |
Auszeichnung mit dem hochdotierten „Premio Marco 1996“ des Museums für Moderne Kunst in Monterrey, Mexiko für sein Gesamtwerk |
| 1997 |
Ernennung zum Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Salzburg |
| 1998 |
erhält den „Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland“ |
| 2002 |
Gastdozentur an der Pekinger Kunstakademie; Bühnenbild und Kostüme für die Oper “Die Nase“ von Dimitri Schostakowitsch, Staatsoper unter den Linden |
| 2006 |
Verleihung des Goslarer Kaiserrings |
Zum Werk
Der Maler, Grafiker und Aktionskünstler Jörg Immendorff gehört zu den bedeu-tendsten deutschen Künstlern der Nachkriegsgeneration. Die gesellschaftlichen Fragestellungen der 1960er Jahre und die kritische Auseinandersetzung mit sei-nem Lehrer und Vorbild Josef Beuys bewirken eine zunehmende Politisierung Jörg Immendorffs. Bereits während des Studiums begann er Kunst und Leben in einem radikal politischen Sinn miteinander zu verbinden – einer der Grundfragen Immendorffs war die nach der gesellschaftlichen Relevanz von Kunst.
Von linken Agitprop Aktionen kam Immendorff zu großen gegenständlich gemal-ten Tableaux voller Anspielungen, in denen er sich thematisch mit dem Künstler als Gestalter von gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzte oder, wie in einer seiner bekanntesten Bildserien „Cafe Deutschland“, in der die Teilung Deutschlands thematisiert wird. Dieser großformatige 16-teilige Werkzyklus ent-steht zwischen 1977 und 1983 und war von Renato Guttusos „Caffè greco“ inspi-riert. In den in grellen Farben realistisch-expressiv gemalten „Café Deutschland“- Bildern, wird das Cafehaus zur mehrdeutigen, fiktiven deutsch-deutschen Bühne voller Akteure, Symbole und Anspielungen.
In der „Café de Flore“-Serie (1987-92) inszeniert Immendorff seine Auseinander-setzung mit der modernen Kunst und reflektiert gleichzeitig - im Kreise von Künstlern aus Vergangenheit und Gegenwart - sein Künstlerdasein. Die Figuren auf seinen Bildern stammen nun fast ausschließlich aus dem Kunstkontext, auf den er sich zurückzieht.
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Café de Flore, 1991
Öl auf Leinwand
120 x 100 cm
Foto: courtesy Galerie Michael Werner
Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
© Sammlung Essl Privatstiftung
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Ostjörg, 1980
Öl auf Leinwand
250 x 200 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung
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Die Freundschaft mit dem Dresdner Künstler A.R. Penck, der in der DDR starken Repressalien ausgesetzt war, führt zu Werken (zum Teil gemeinsam mit Penck, der 1980 in die BRD ausreisen konnte) mit dem Thema der Teilung Deutsch-lands. In den späten 80er und frühen 90er Jahren sind die großformatigen Tab-leaux von Immendorff deutlich von der Skepsis getragen, wie viel der Künstler wirklich gesellschaftlich bewegen kann. Seine künstlerischen Aktionen im Hier und Jetzt hinterfragen seine eigene Position in der Gesellschaft, aber auch die Aufgabe der Malerei im Besonderen. Insgesamt strotzen die Werke Immendorffs nur so vor Vitalität und Dynamik. Erzählwut und Verrätselung sind dabei Teil sei-ner Bildkonzepte.
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Aus 13-teiliger Serie: In meinem Salon ist Österreich, 1995-1996
Öl auf Leinwand
270 x 420 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung
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Eine Hommage an das Sammlerehepaar Essl stellt das großformatige Werk „In meinem Salon ist Österreich“ von 1996 dar, mit Frau Essl als Gastgeberin für ös-terreichische Kunstschaffende, darunter Maria Lassnig, Arnulf Rainer, Christian Ludwig Attersee, Günther Brus und Hermann Nitsch. Formell und inhaltlich auf der Idee der „Café de Flore“-Serie basierend, enthält dieses Gemälde auch An-spielungen auf den berühmten Salon der Berta Zuckerkandl-Szeps, wo sich die bekanntesten Künstlerpersönlichkeiten der Jahrhundertwende wie etwa Gustav Klimt, Gustav Mahler und Arthur Schnitzler austauschten.
1997 erfährt der Künstler, dass er an einer seltenen Nervenkrankheit leidet, die zuerst die Gliedmassen erfasst und unweigerlich zum Tode führt. In den folgen-den Jahren werden die Bilder des Künstlers ruhiger, existenzieller, er zitiert öfter aus der klassischen Kunstgeschichte, besonders aus den Werken des deutschen Manieristen Hans Baldung Grien. Nach 2004 kann Immendorff nicht mehr selber malen und leitet Assistenten an, die seine Bildentwürfe malerisch umzusetzen haben. Diese Werke verdichten sich zu raffinierten Erzählungen, angereichert mit kunsthistorischen Zitaten und biografischen Elementen und werden immer mehr zu Reflexionen über die Vergänglichkeit. Die Gestalten auf den Bildern wirken oft wie aus Darstellungen aus der Apokalypse. Bei dem Werk „Ohne Titel“ von 2005 tragen zwei Affen das Wort „Kunst“ weg. Der Affe kommt häufig in den Werken Immendorffs vor, das klassische Symbol der Nachahmung der Welt durch die Kunst (nachäffen) setzt er als sein persönliches Malertotem ein, oft ist der Künst-ler nur durch den Affen auf den Bildern vertreten. Dass die Affen das Wort Kunst wegtragen, mag soviel bedeuten, dass es ohne Kunst kein Leben für Immendorff gibt.
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Kampf der Zeit, 2005
Öl auf Leinwand
150 x 200 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© The Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York
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Das Werk „Kampf der Zeit“ stammt von 2006. Menschen mit verbundenen Augen werden von Monstren zu einem Tor geleitet, in dem leeren Raum dahinter sieht man eine Figur im Rollstuhl, wohl ein Symbol für den Künstler, der zu dieser Zeit schon lang daran gefesselt war. Vom jugendlichen Kämpfer zum Kampf (mit) der (verbleibenden) Zeit; diese Werke sind eindringliche Zeugnisse künstlerischer Auseinandersetzung mit Krankheit, Verfall und Tod.
Lucie Binder-Sabha und Andreas Hoffer
AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
Weiterführende Literatur zu diesem Künstler finden Sie in der
Bibliothek >> des Essl Museums.
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updated: 12.10.2011
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