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MUNTEAN / ROSENBLUM

Geboren 1962, Markus Muntean in Graz, Österreich / Adi Rosenblum in Haifa, Israel,
Zusammenarbeit seit 1992
Leben und arbeiten in Wien und London.

Muntean / Rosenblum Muntean / Rosenblum
Untitled (Between oblivion and oblivion...), 2008
Öl auf Leinwand / oil on canvas
70 x 45 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung
Untitled (The Sky Was Pale...), 2006
Öl auf Leinwand / oil on canvas
260 x 220 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung



Zum Werk

Muntean/Rosenblum schöpfen die Inspiration für ihre Malereien und Filme aus der klassischen Ikonographie. Farbsymbolik, Gesten und Körperhaltungen werden aus der abendländischen Bildtradition übernommen, die mit Pathos beladenen Darstellungsweisen sind aber aus ihrem religiösen Kontext gelöst und auf die Gegenwart angewandt. Teenager und junge Erwachsene treten meist in anonymen städtischen Kontexten auf. Kombiniert werden die Szenen mit zitatartigen Texten in Englisch, die nicht unbedingt in direkter Relation zu den Sujets stehen. Die Sätze sind Zeitschriften und Büchern entnommen, Muntean/Rosenblum verfremden sie, Bruchstücke aus zwei Texten werden kombiniert.

Ein weißer Rand, der die Szenen wie in einem Bildschirm festhält, umgibt die Malereien und suggeriert eine fiktive, virtuelle Welt. Die Filme des Künstlerpaars können als Weiterführung der Malerei, als Akt der Malerei mit anderen Mitteln verstanden werden. Der Charakter der Darstellungen entspricht dem von Tableaux vivants. Sie sind wie gemalte Räume, lebendige Bilder, in die der Betrachter eintreten kann.

Das Augenmerk der Künstler ist nicht auf die Jugend gerichtet, um Genrebilder zu zeigen, sondern im Gegenteil, um ihnen zu entkommen. Die Jugendlichen sind zu vordergründig bedeutungsschweren Kompositionen im Sinne eines anatomischen Theaters arrangiert. Die Arbeiten haben nur scheinbar etwas Porträthaftes, da sie nicht die Funktion eines Porträts erfüllen. Emotional aufgeladen, vermitteln die Posen und Gesten der Dargestellten vordergründig zwar Subjektivität, den Ausdruck eines Individuums, doch zugleich erscheinen sie leer, ohne konkrete Bedeutung. Nicht die Möglichkeit einer homogenen Struktur des Subjekts scheint essentiell, sondern die Bruchstücke in der Mitte, ein Schwebezustand, der kaum fass- oder benennbar ist. Auch die Texte unter den Bildern verführen, denn sie berühren im ersten Moment. Wegen ihres aphoristischen Charakters zwischen philosophischer Lebenswahrheit und allgemeingültiger Alltagsweisheit wirken sie bedeutungsschwer und vertraut. Doch sobald man beginnt, über ihren Inhalt nachzudenken, erweisen sie sich – wie die Malerei – als inhaltsleer. Auf der Kippe zwischen Signifikanz und Nichtsignifikanz stehend, verstärken sie den offenen, vieldeutigen Charakter der Malereien.

Sprachlosigkeit und Melancholie schwingen mit und das Gefühl, dass man eigentlich nichts sagen, nichts ausdrücken kann, alle Formen der gesicherten Identität scheinen zu entgleiten. Doch die Ambiguität bleibt aufrecht: Alles ist zugleich schlimm und schrecklich und wunderschön. Melancholie und Verlorenheit – durchaus, aber in Klammern gesetzt, ironisch hinterfragt.

Günther Oberhollenzer


AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum

2008 MUNTEAN/ROSENBLUM. Between what was and what might be
2008 KOMPLEX. Österreichische Gegenwartskunst aus der Sammlung Essl
2007 PASSION FOR ART. 35 Jahre Sammlung Essl
2006 ÖSTERREICH: 1900-2000. Konfrontationen und Kontinuitäten
2006 PERMANENT 06
2005 Esslsbrücke - FotografInnen im Dialog mit Werken der Sammlung Essl, Schömer-Haus
2006 MEXIKANISCHE MODERNE - Meisterwerke aus der Sammlung des Museo de Arte Moderno, Mexico City
Weitere Station: Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey
2004 PERMANENT 04
2003 NEUANKÄUFE 2003
2002 PERMANENT 02



Weiterführende Literatur zu diesen Künstlern finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 13.12.2011