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CINDY SHERMAN

1954 geboren in Glen Ridge/New Jersey, USA
Lebt und arbeitet in New York, USA

Cindy Sherman Cindy Sherman
Cindy Sherman, 2009
Foto: Mark Seliger
Courtesy of the Artist
Untitled Film Still (#24-A), 1978
s/w Foto
65 x 93 cm
Courtesy of the Artist and Metro Pictures

Persönliche Daten

1972 – 76 Studium am State University College in Buffalo, New York



Zum Werk

Die US-amerikanische Fotokünstlerin Cindy Sherman ist vor allem für Fotoserien bekannt, bei denen sie mit Hilfe von Verkleidungen, Schminkspielen und schaurigen Inszenierungen in unterschiedlichste Rollen schlüpft. Dabei agiert sie zugleich vor wie auch hinter der Kamera: als Regisseurin, Fotografin und Hauptdarstellerin. Das Resultat ist ein Bildkosmos voller genüsslich inszenierter Täuschungen und Maskeraden, in welchem sich die Künstlerin konzeptuell mit Fragen der Identität, Rollenbilder, Körperlichkeit und Sexualität beschäftigt.

Auch wenn Shermans künstlerische Arbeit deutlich von ihrer persönlichen Lust an Verkleidung und Verstellung geprägt ist, begreift sich die Künstlerin immer nur als Darstellerin ihrer fotografischen Inszenierungen, bei denen es nicht um die Person Cindy Sherman geht. Das gilt bereits für die „Untitled Film Stills“ (1977-1980), eine Serie von Schwarzweiß-Fotografien, mit der sie zum ersten Mal international Aufmerksamkeit erregt. In ihnen stellt Sherman fiktive Filmszenen nach, die an B-Movies der 1950er Jahre erinnern und inszeniert sich dabei selbst in klischeehaft weiblichen Posen um die mediale Konstruktion von Frauenbildern zu hinterfragen.
In den darauf folgenden „History Portraits“ (1988-1990) untersucht Cindy Sherman erneut die Rollenverteilung in der Gesellschaft und rechnet gleichzeitig mit der europäischen, männlich geprägten Kultur und Kunstgeschichte ab. Als Rubens' Isabella Brandt oder Caravaggios Kranker Bacchus inszeniert sich Sherman in der Manier alter Meister und kombiniert innerhalb dieser überzeichneten, fast bis an die Grenze der Karikatur reichenden Nachstellungen, ihren Körper zum ersten Mal mit Prothesen.

Cindy Shermans Interesse am fragmentierten weiblichen Körper, am Grotesken und Unheimlichen führt in den folgenden Jahren dazu, dass sie sich als Darstellerin immer mehr aus ihren Bildern zurückzieht und stattdessen Puppen und Prothesen einsetzt. So arrangiert die Künstlerin z.B. in der „Disasters“-Serie (1986-1989) Kunstglieder, verrottende Nahrungsmittel, Körperausscheidungen, Erde und Abfall zu grotesken Studien des Verfalls oder in den „Sex Pictures“ (1992) Prothesen, anatomische Modelle und Schaufensterpuppen, die sexuelle Handlungen simulieren.

Auch in neueren Arbeiten, wie etwa den „Clowns“ (2004), findet das Unbehagen eine subtile Fortsetzung. Diesmal inszeniert sich die Künstlerin wieder selbst. Mit Clownmasken, Kostümen und einem Ausdruck, der jedes Lächeln langsam gefrieren lässt, zeigt sie sich vor einem grellbunten, psychedelischen und computergenerierten Hintergrund; und Dank digitaler Technik sogar mehrmals in einem Bild.

Cindy Sherman Cindy Sherman
Ohne Titel (# 421), 2004
Farbfoto
139 x 200 cm
Courtesy of the Artist and Metro Pictures
Ohne Titel (# 467), 2008
Farbfoto
229 x 152 cm
Courtesy of the Artist and Metro Pictures


In Shermans aktuellster Werkgruppe von 2008, die erneut durch eine bis ins Detail kompositorisch und technisch präzise Umsetzung besticht, stehen nun die so genannten Damen der besseren Gesellschaft auf dem Programm. Nach dem Vorbild repräsentativer Auftragsportraits zeigt Sherman Frauen, deren „beste Jahre“ bereits vorbei sind und die sich krampfhaft hinter Fassaden des Glücks, Erfolges, Reichtums und vor allem hinter schichtweisem Make-up, künstlicher Bräune und betont jugendlichem Styling verstecken. Die riesengroßen Fotografien zeigen jedoch gnadenlos die Spuren des Alters und das Bröckeln dieser künstlichen Fassaden.


„Eine bestimmte überdrehte Hässlichkeit hat mich immer schon fasziniert. Dinge, die als unattraktiv und nicht begehrenswert empfunden werden, waren für mich besonders interessant. Und ich finde diese Dinge auch wirklich schön.“1


1) Zit. Cindy Sherman, in: Grosenick, Uta (Hrsg.): Women Artists – Künstlerinnen im 20. und 21.
Jahrhundert, Köln: Taschen Verlag, 2005, S. 302.



Karin Altmann


AUSSTELLUNGEN UND Ausstellungsbeteiligungen im Essl Museum
2010 CORSO. Werke der Sammlung Essl im Dialog
2007 FOTO.KUNST. Zeitgenössische Fotografie aus der Sammlung Essl
2007 PASSION FOR ART
2004 VISIONS of AMERICA. Ikonen zeitgenössischer amerikanischer Kunst aus der Sammlung Essl und der Sonnabend Collection, New York
2003 HUMAN STORIES. Fotoarbeiten und Malerei aus der Sammlung Essl, Museum Ludwig, Budapest
2002 AUGENBLICK. FOTO\KUNST
1998 ART.IST.INNEN. Künstlerinnen in der Sammlung Essl


Weblink

www.cindysherman.com >>


Weiterführende Literatur zu dieseR KünstlerIN finden Sie in der Bibliothek >> des Essl Museums.
updated: 19.01.2012