Die in diesem Text angeführten Künstlerinnen und Künstler
wurden exemplarisch herausgegriffen und stehen für viele andere, gleichbedeutende
in der Sammlung.
Die ersten Werke erwerben Karlheinz und Agnes Essl nach einem USA-Aufenthalt
Ende der 1950er Jahre. Die jungen Sammler fühlen sich von den Innovationen
der amerikanischen Künstler angezogen und beginnen in Österreich zu
sammeln.
HERBERT BOECKL Die Geschwister 1
(Martina und Leo), 1931
ARNULF RAINER Kometenbahn, 1963
Am Beginn steht ein bedeutender Werkblock der österreichischen Moderne. Künstler
wie Herbert Boeckl und Albert Paris Gütersloh, die wesentlich am Neubeginn
der österreichischen Kunst nach 1945 beteiligt waren, nehmen einen besonderen
Stellenwert ein.
Es folgen Ankäufe von Arbeiten Alfred Kubins oder der Künstler
des Nötscher Kreises. Den großen Schritt zur Gegenwartskunst in Österreich
machen die Sammler Anfang der 70er Jahre mit dem Erwerb einer Arbeit von Friedensreich
Hundertwasser, der zu dieser Zeit zu den umstrittenen Künstlern des Landes
gehört. Bedeutungsvoll für den Zugang zur Kunst und den Aufbau der Sammlung
ist die Begegnung mit Kurt Moldovan. Durch ihn lernt das Ehepaar Künstler
wie Arnulf Rainer, Kurt Kocherscheidt und Franz Ringel persönlich kennen
und schätzen.
Künstler der Gruppe St. Stephan (Markus Prachensky, Josef Mikl), einige Wiener
Aktionisten (Hermann Nitsch, Günter Brus), Einzelpositionen wie Maria Lassnig
oder VALIE EXPORT und später die sogenannten Neuen Wilden (Herbert Brandl,
Siegfried Anzinger, Hubert Schmalix) werden in die Sammlung aufgenommen.
MARIA LASSNIG Woman Power. 1979
JÖRG IMMENDORFF Ohne Titel, 1979
Ende der 80er Jahre beginnen Karlheinz und Agnes Essl die Sammlung österreichischer
Gegenwartskunst in einen internationalen Kontext zu stellen. Arbeiten von Asger
Jorn, Karel Appel und Pierre Alechinsky, Mitglieder der CoBrA-Gruppe, die einen
starken Einfluss auf Franz Ringel und die Künstler der "Wirklichkeiten"
hatten, werden zuerst angekauft. Zu Beginn der 90er Jahre folgt amerikanische
Kunst (Morris Louis, Frank Stella, Jim Dine). Hinzu kommen Positionen aus Deutschland
(Georg Baselitz, Gerhard Richter, Jörg Immendorff), Frankreich (Pierre Soulages,
Bettina Rheims), Italien (Emilio Vedova, Mimmo Paladino), Spanien (Antoni Tàpies,
Antonio Saura), Großbritannien (Marc Quinn, Damien Hirst) und den USA (Alex
Katz, Peter Halley, Paul McCarthy).
PHILIP TAAFFE Unit of Direction, 2003
GREGORY CREWDSON Untitled (mother on bed with blood), 2004
Mit der Eröffnung des Essl Museums im November 1999 wird die Sammlung einem
großen Publikum zugänglich gemacht. Es werden internationale Tendenzen
der zeitgenössischen Kunst ausgelotet und kontinuierlich Werke in die Sammlung
aufgenommen. Fotokunst (Thomas Struth, Thomas Ruff, Andreas Gursky, Gregory Crewdson,
Nan Goldin), Videoarbeiten und Installationen (Bill Viola, Tony Oursler, Marie-Jo
Lafontaine) sowie Skulpturen (Stephan Balkenhol, Jonathan Meese, Judy Fox) erweitern
die bisher in der Sammlung vorherrschenden malerischen Positionen.
JONATHAN MEESE Der Propagandist, 2005
ZHANG XIAOGANG Yellow Baby, 2005-2006
Ab Anfang 2000 ergeben sich durch Reisen des Sammlerehepaares und durch Ausstellungen
zusätzlich Länderschwerpunkte: zeitgenössische Kunst aus Australien
(Tracey Moffatt, Emily Kame Kngwarreye), der Balkanregion (Maja Bajevic, Antoni
Maznevski), Leipzig (Neo Rauch, Matthias Weischer), Mexiko (Gabriel Orozco), China
(Fang Lijun, Yue Minjun, Zhang Xiaogang). Aus diesen Ausstellungen, wie auch aus
den Reihen >emerging artists< und >ESSL AWARD< mit noch nicht etablierter
Kunst, wird die Sammlung durch Ankäufe immer wieder erweitert und neu akzentuiert.
Die konservatorische Betreuung einer Kunstsammlung ist essentiell und seit
Mai 2000 als Abteilung für Konservierung und Restaurierung im Essl Museum
etabliert. Die Betreuung durch die RestauratorInnen umfasst die Fachbereiche zeitgenössische
Gemälde, Papier, Fotografie, Skulptur und moderne Medien. In allen Bereichen
erfolgt die konservatorische und restauratorische Zusammenarbeit mit entsprechend
qualifiziertem Fachpersonal.
Zu den Aufgabengebieten der MuseumsrestauratorInnen zählen neben der
Pflege des Sammlungsbestandes und der Arbeit am Objekt die Zustandsüberprüfung
und Beurteilung von unmittelbar gefährdeten und beschädigten Objekten
sowie die Sicherstellung eines angemessenen Raumklimas hinsichtlich Temperatur
und Luftfeuchte. Weiters sind die Festlegung und Überwachung von Objekt gerechten
Bedingungen bei Lagerung, Transport sowie Auf- und Abbau von Ausstellungen von
zentraler Bedeutung.
Um wissenschaftlich am neuesten Stand zu bleiben, ist die Abteilung für
Konservierung und Restaurierung bemüht im Austausch mit anderen Institutionen
und Berufsverbänden zu stehen.
Dies beinhaltet zum Beispiel die Vergabe von Diplomobjekten,
die Teilnahme an Forschungsprojekten, sowie die Veranstaltung von fachspezifischen
Symposien und Führungen.
Installieren einer Skulptur aus gefrorener
Kokosmilch von Marc Quinn (Symposium 2007)
Anlässlich der Ausstellung >SPOTLIGHTS< VIDEO.KUNST wurde im Essl Museum von 09.03. – 13.05.2012 die Arbeit "Les larmes d'acier" von Marie-Jo Lafontaine gezeigt, mit der die Künstlerin 1987 bei der documenta 8 große Bekanntheit erlangte. Nachdem dieses wichtige Werk der Videokunst bis 1990 international auf Biennalen, in Museen und Galerien gezeigt und immer wieder technisch adaptiert wurde, wurde es 1999 vom Sammlerpaar Essl in einem fragmentarischen Zustand angekauft. Die Medienabteilung des Essl Museums konnte frühe Installationsdokumentationen und Werkgeschichte recherchieren und hat in enger Zusammenarbeit mit Lafontaine das Original nun wieder in Stand setzen können.
„Eine Idee, ein Konzept und Erinnerungen – Die Rekonstruktion von Marie-Jo Lafontaines Les larmes d’acier“. INTERVIEW MIT ANDREAS ROTTENSCHLAGER >>, AV Medien, Essl Museum
Fachspezifische Artikel Essl Museum
Karin Steiner, Bruno Gironcolis späte Arbeiten auf Papier, Arbeitstechnische Besonderheiten im Kontext der Entwicklung eines Konservierungskonzeptes, Restauratorenblätter 30; Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts und ihre Erhaltung, Hrsg. Österreichische Sektion des IIC, red. Manfred Koller, Gerda Kaltenbruner, 2011 Verlag Stift Klosterneuburg, S. 125-132
Andreas Hartl, Ronald – Ein Namensbild von Franz West. Konservierung und Stabilisierung eines gefassten Papiermascheeobjektes, Restauratorenblätter 30; Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts und ihre Erhaltung, Hrsg. Österreichische Sektion des IIC, red. Manfred Koller, Gerda Kaltenbruner, 2011 Verlag Stift Klosterneuburg, S. 141-150
Andreas Weisser, Ute Kannengiesser, Langzeitarchivierung neuer Medien im Essl Museum, Restauratorenblätter 30; Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts und ihre Erhaltung, Hrsg. Österreichische Sektion des IIC, red. Manfred Koller, Gerda Kaltenbruner, 2011 Verlag Stift Klosterneuburg, S. 171-176
Elisabeth Schlegel, Ute Kannengiesser, Verpackung von großformatigen Gemälden im Essl Museum, „Technologische Studien“ Band 7- Sonderband Präventive Konservierung, 2010 Kunsthistorisches Museum Wien, S. 41-51
Karin Steiner, Unter Anderem: Mit Kupferpulver und Lack, Magazin des Österreichischen
Restauratorenverbandes, (Journal 01) Mai 2008, S. 36-44 (deutsche Version)
Daniela Kaminek, Veranstaltungsrückblick: "Kühlen Kopf bewahren
– Zeitgenössische Kunst und Ihre Erhaltung", Essl Museum Klosterneuburg,
14.Juni 2007, Restauro-Forum für Restauratoren, Konservatoren und Denkmalpfleger,
(Heft 6) September 2007, S. 357-359 (deutsche Version)
Friedensreich Hundertwasser (1928–2000) ist einer der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts, der aber auch oft missverstanden und unterschätzt wird. Die Ausstellung zeigt den Künstler als wichtiges Mitglied der internationalen Avantgarde, der in den 1950er Jahren in Paris arbeitete und eine Bildsprache parallel zum herrschenden Informel entwickelte. Mit seiner Suche nach neuen leuchtenden Farbwelten und als Vordenker visionärer Kunstformen betrat er in den 1950er und 1960er Jahren Neuland. In den 1960er Jahren vertrat Hundertwasser Österreich auf der Biennale in Venedig und stellte auf der documenta III in Kassel aus. Auch stand er in Kontakt mit zahlreichen Vertretern der internationalen Kunstszene u.a. Yves Klein, Pierre Soulages, Alain Jouffroy und Arnulf Rainer. Hundertwassers bahnbrechendes ökologisches Engagement entwickelte sich aus seinem künstlerischen Schaffen sowie seinem Glauben an die Kraft der Natur und individuelle Kreativität. Seine für die damalige Zeit radikalen zivilisationskritischen und ökologischen Positionen werden durch Manifeste und Aktionen dieser Jahre dokumentiert und in der Ausstellung in Beziehung zum malerischen Werk des österreichischen Künstlers gesetzt. Die Sammlung Essl ist bei dieser Ausstellung mit sechs Werken vertreten.
>NATUR ALS INSPIRATION< Ausgewählte Werke aus der Sammlung Essl
Sparkasse Academy, Bozen
Cassa di Risparmio di Bolzano
Via Cassa di Risparmio, 12,
39100 Bozen, Südtirol, Italien
(25.11.2011 – 08.01.2012)
Die von Günther Oberhollenzer kuratierte Ausstellung >NATUR ALS INSPIRATION< in der Sparkassen Academy Bozen gibt einen Einblick in die vielfältigen Strategien und Herangehensweisen, wie sich Künstlerinnen und Künstler der Moderne und Gegenwart malerisch mit Natur und Landschaft auseinander setzen. Bei allen vertretenen Künstlerinnen und Künstlern spielt die Natur in der Bildfindung eine wesentliche Rolle, sie ist unmittelbarste Inspirationsquelle, aus ihr schöpfen sie Farbe und Form. In drei lockeren Themenzusammenhängen werden die Malereien zueinander in Beziehung gesetzt. Insgesamt sind 12 Werke, alle aus der Sammlung Essl, zu sehen.
Herbert Brandl und Per Kirkeby bewegen sich in ihren Werken gekonnt am schmalen Grad zwischen gegenständlicher Landschaft und abstrakter Malerei, Max Weiler, Emily Kame Kngwarreye und Yala Yala Gibbs Tjungurrayi verbindet ein geistig-spirituelles Naturverständnis, Alois Mosbacher und Martin Schnur verweben Mensch und Natur zu vielschichtig-sinnlichen Landschaftsbildern.
Erstmals sind Werke aus der Sammlung Essl in Südtirol zu sehen. Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit zwischen der Südtiroler Sparkasse und dem Essl Museum. Zur Schau erscheinen ein Katalog und ein Kalender.
Künstler:
Herbert Brandl, Per Kirkeby, Emily Kame Kngwarreye, Alois Mosbacher, Martin Schnur, Yala Yala Gibbs Tjungurrayu und Max Weiler
>VIENNESE ACTIONISM. THE OPPOSITE POLE OF SOCIETY< Works from the Essl Collection, Austria
Eine Ausstellung des MOCAK (Museum of Contemporary Art in Kraków)
in Zusammenarbeit mit dem Essl Museum, Klosterneuburg / Wien
(09.11.2011 – 29.01.2012)
Eine umfassende Ausstellung über den Wiener Aktionismus mit 259 Werken aus der Sammlung Essl ist von 9.11.2011 bis 29.1.2012 im Museum of Contemporary Art in Krakau zu sehen.
Der „Wiener Aktionismus“ gilt als der am meisten beachtete und bedeutendste Beitrag Österreichs zur internationalen Kunstentwicklung in der Nachkriegszeit. Alle wichtigen Protagonisten sind in der Sammlung Essl mit zahlreichen Werken vertreten. Die Ausstellung im MOCAK (Museum of Contemporary Art in Kraków) legt den Focus auf fotografische Dokumente aktionistischer Performances von Günter Brus, Hermann Nitsch und Otto Muehl sowie auf die wesentlichen Aktionsfotografien von Rudolf Schwarzkogler. Ergänzt wird die Schau durch exemplarische Malereien und Schüttbilder von Hermann Nitsch sowie Bilddichtungen von Günter Brus. Mehrere Videoarbeiten machen daneben den Aktionismus besonders nah fühl- und erlebbar: Gezeigt werden zwei vom Essl Museum in Auftrag gegebene Aufführungen des „Orgien Mysterien Theaters“ von Hermann Nitsch (Schömer-Haus, 1996, und im Essl Museum, 2003) sowie ein von Günter Brus persönlich zusammengestelltes und gestaltetes Videokompendium mit seinen wichtigsten Aktionen und Performances. Alle im MOCAK ausgestellten Werke stammen aus der Sammlung Essl.
BEST OF AUSTRIA. Eine Kunstsammlung Lentos Kunstmuseum Linz
(02.01.2009 - 10.5.2009)
3 Leihgaben aus der Sammlung Essl www.lentos.at
Eine Kulturhauptstadt – und sei es auch bloß für ein Jahr –
braucht eine Kunstsammlung, die diesem Rang und der damit verbundenen Erwartung
an Repräsentation entspricht. Ab dem Neujahrstag 2009 wird über vier
Monate lang im Lentos präsentiert, wie eine ideale Kunstsammlung aussehen
könnte, als temporäre, spielerische Versuchsanordnung. Die Sammlung
Essl hat wie etwa 30 andere österreichische Museen, Stiftungen und Unternehmenskollektionen
von Wien bis zum Bodensee drei Werke zur Verfügung gestellt.
ARNULF RAINER. RETROSPEKTIVE. Malerei um die Malerei zu verlassen MMKK - Museum Moderner Kunst Kärnten (28.11.2008 - 15.02.2009)
92 Leihgaben aus der Sammlung Essl http://www.mmkk.at
Mit fast 100 Werken zeigt die Retrospektive einen repräsentativen Querschnitt
des Œuvres Arnulf Rainers, der international zu den wichtigsten Vertretern
der Moderne zählt. Die Ausstellung beginnt mit den frühen, gestisch
abstrakten „Zentralisationen“, die Arnulf Rainer 1951 im Klagenfurter
Künstlerhaus ausgestellt hat. Mitte der 1950er Jahre beginnt Rainer mit dem
Zyklus der Übermalungen, die er auch auf Werken von Freunden und historischen
Grafiken vornimmt. Die Bearbeitung von Fotovorlagen stellt eine zweite grundlegende
Form der Überarbeitung dar. Ende der 1970er Jahre folgen die Totenmasken,
die Fingerschmierereien, die Kreuzbilder und Tondi. Immer wieder greift Rainer
die Themen Tod und Religion auf, die er in einer spannungsvollen Verflechtung
von Form und Inhalt inszeniert. In seiner Kunst eröffnet er eine profilierte
und radikale Auseinandersetzung mit der österreichischen Tradition und dem
europäisch-amerikanischen Diskurs der Moderne.
Das Cobra-Museum der Modernen Kunst ist das erste holländische Museum, das
eine umfassende Retrospektive einer der sensationellsten Künstler-Gruppen
der Gegenwart, der "Neue Leipziger Schule" präsentiert. Hauptvertreter
der Ausstellung sind Neo Rauch und Matthias Weischer, die mit ihren lebhaften
bildlichen Bildern ihren Weg in die großen Museen der Welt gemacht haben.
KOMPLEX – Österreichische Gegenwartskunst aus dem Essl Museum in
Klosterneuburg Museum am Ostwall in Dortmund, (18.05.2008 – 10.08.2008)
90 Werke aus der Sammlung Essl http://museumamostwall.dortmund.de/