CARL MAYER REMIX
Video/Sound/Performance
Sa, 22.11.2003, 20:00
Sammlung Essl - Lieferhof
Im Rahmen des Festes "4 Jahre Sammlung Essl"
- ZONE:
live video
- thilges3:
live sound
- Karlheinz Essl:
live sound
Live-Event mit Video- und Soundinterpretationen zum Leben und
Werk von Carl Mayer, Drehbuchautor unzähliger Stummfilmklassiker
(u.a. „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Berlin,
Sinfonie der Großstadt“). Live-Ton-Collage von Karlheinz
Essl und thilges3. Live-Video-Collage von ZONE.
Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas ermöglichte das, von
SYNEMA konzipierte und in Kooperation mit Ute Pinter und ZONE
durchgeführte, Diagonale Special Carl Mayer, Scenar[t]ist.
CARL MAYER - videoscreening
Produktion & Gestaltung Videoscreening: ZONE
Musikkonzept: Ute Pinter
Idee: SYNEMA
Für das diesjährige DIAGONALE-Special entwickelte
ZONE eine neue Art des VideoScreenings. Inhalt: Carl Mayer, legendärer
Grazer Drehbuchautor. In neun kurzen Videos, neun thematischen
und visuellen Zugangsweisen nähert sich ZONE seinem Leben
und Werk.
Bei einem ungewöhnlichen Spaziergang kann man sich auf den
Spuren des gebürtigen Grazers durch die Stadt bewegen. An
neun Stationen quer durch die Innenstadt werden Videoscreens platziert.
Neun Videos mit dichten Bild- und Materialcollagen geben Einblicke
in Carl Mayers Leben und Filme, machen mit seinen stilistischen
Eigenheiten vertraut und ermöglichen die visuelle und inhaltliche
Auseinandersetzung. Eine Reise in die (Film) Geschichte, eine
spannende Verbindung zwischen dem Gestern und dem Heute, dem Grazer
Stadtbild und Mayers filmischem Universum. Zeitgenössische
Musiker (buck / zeitblom, thilges3,
das Duo Klammer &Gründler, Franz Hautzinger, Wolfgang
Mitterer und Karlheinz Essl)
haben sich intensiv mit Leben und Werk Carl Mayers auseinandergesetzt
und Kompositionen für die Videos geschaffen.
CARL MAYER - zur Person
Die Biografie des Grazer Drehbuchautors zeugt von einem wechselhaften
Schicksal, einem Leben reich an Höhen und Tiefen, nicht unähnlich
den Stoffen, die er so erfolgreich für die Leinwand umsetzte.
Carl Mayer, 1894 in Graz geboren, wächst in ärmlichen
Verhältnissen auf. Mit 15 muss er die Schule verlassen und
verdient sein Geld als Sekretär und Komparse an diversen
Kleinbühnen. So führt ihn sein Weg von Graz über
Innsbruck und Wien schließlich 1917 nach Berlin, wo es ihn
zum Film hinzieht. Schon mit seinem ersten Drehbuch, der Vorlage
zu dem expressionistischen Klassiker „Das Cabinet des Dr.
Caligari“, gelingt ihm 1919 ein phänomenaler Durchbruch
und internationaler Erfolg. Von da an arbeitet Mayer mit den gefragtesten
Regisseuren der Zeit, v.a. immer wieder mit F. W. Murnau, mit
dem ihn eine produktive Partnerschaft verbindet. Mit seinem höchst
eigenwilligen Stil, seinem Interesse an der Welt der kleinen Leute
und der Suche nach einer universellen Bildsprache etabliert er
sich als einer der bedeutendsten und innovativsten Autoren der
Stummfilmzeit. Es entstehen Meisterwerke wie „Der letzte
Mann“ oder „Sunrise“, seine Drehbücher
tragen ihm höchsten Respekt von Kollegen und Kritikern und
den ehrenvollen Titel „Filmdichter“ ein.
Doch neben den großen Erfolgen zeichnen sich ab Mitte der
20er-Jahre auch Schwierigkeiten ab. Mayer, der Perfektionist,
arbeitet zu lange an seinen Entwürfen und kommt in Konflikt
mit den Produktionsstudios, die ihn mit Klagen verfolgen. Er schreibt
weiter, bleibt aber, um der Pfändung zu entgehen, im Vorspann
häufig ungenannt. Und auch die politische Entwicklung wirft
ihre Schatten voraus: Als Jude muss Mayer 1933 fliehen und schlägt
letztendlich seine Zelte in London auf, wo er sich anfangs noch
mit Hilfe befreundeter Emigranten über Wasser halten kann.
Doch mit Kriegsausbruch werden seine existenziellen Sorgen immer
drückender. 1942 erkrankt er an Krebs, der falsch behandelt
wird, und Mayer stirbt schließlich völlig verarmt 1944
im Exil. Keine seiner in England entwickelten Drehbuchvorlagen
wurden je umgesetzt. Was bleibt, sind seine Filme, deren Faszination
weiter ungebrochen wirkt, und die seinen Ruf als Filmdichter und
hervorragender Autor des Stumm- und frühen Tonfilmkinos bis
heute lebendig halten. (Brigitte Mayr)
|