Carsten Höller, ein studierter Agrarwissenschaftler, arbeitet seit Ende der 1980er Jahre sowohl inhaltlich als auch formal
an einer eigenwilligen und humorvollen Verbindung unterschiedlicher Disziplinen wie Philosophie, Naturwissenschaft, Soziologie
und Kunst. Er fordert eine Gleichzeitigkeit des Denkens und versteht die Verschmelzung von verschiedenen Denkstrukturen als
wichtigste Grundlage für ein zeitgenössisches Bewusstsein. Die Aufgabe von Museen sieht Höller nicht mehr im Sammeln und Bewahren
von Kunst, sondern vielmehr in einem Laboratorium, damit im Kleinen probiert wird, was außerhalb, im alltäglichen Leben, größere
Dimensionen annehmen könnte. Angesiedelt ist seine Kunst zwischen konzeptionellen Ideen zu Skulptur, Architektur und urbanistischem
Design und ihrer Umsetzung im realen Leben. Themen der Projekte und Werkphasen Höllers sind die elementaren Bedürfnisse und
Fragen des menschlichen Lebens: Sicherheit, Zukunft, Kinder, Liebe, Sex, Glück und Utopie.
Höller verwirrt den Betrachter mit Bildern, Skulpturen und interaktiven Installationen, die absichtlich, aber oft auf spielerische
Art Zweifel und Irritation auslösen (so zum Beispiel eine spektakuläre Edelstahlrutsche in der Tate Modern in London, 2006).
Das Publikum wird über die rein visuelle Rezeption hinaus zu direkt Beteiligten, durch Wahrnehmung und psychologische Experimente
werden Denkanstöße gegeben und ungewohnte körperliche Erfahrungen vermittelt. Höller versteht seine Kunst als "Mittel zur
Heilung von der Gewissheit". Auch in seinen Fotoarbeiten rangiert der Zweifel vor der Gewissheit, das Experimentieren vor
der Konklusion: Die Trennung und Verschiebung der Farben in den Vergnügungsparkfotos lässt einen klaren Bildinhalt verschwimmen,
die Perspektive verrutscht, der Raum wird neu erfahrbar gemacht.
Günther Oberhollenzer
Carsten Höller1 / 2
Foto: John ScarisbrickCarrara Star and Roller Coaster Giant Wheel2 / 2