Whitney Museum of American Art Independent Study Program
1999-2000
American Academy - Philip Morris Award, Berlin Prize Fellow
2001-2002
Joan Mitchell Painting Award
Zum Werk
Immer wieder beschäftigt sich die Malerin und Filmemacherin Sarah Morris mit dem Sportevent Olympiade. Dabei ist, wie auch
in ihren anderen Arbeiten, „die visuelle Lesbarkeit eines gegebenen kulturellen und politischen Moments ihr systematisch abgestecktes
Untersuchungsgebiet“1. Im Zuge der Recherchen für die olympischen Sommerspiele 2008 in Peking entstehen die Filme „Beijing“
(2008) und „1972“ (2008). Ihr Interesse gilt dabei der Verbindung eines spezifischen Ortes mit einem Event und den verwendeten
visuellen Gestaltungselementen, wie Typografie, Piktogrammen und Stadionarchitektur. Außerdem findet das tragische Ereignis
der Geiselnahme von München im Film „1972“ Eingang, indem sie ein langes Interview mit dem damaligen Sicherheitsbeauftragten
Georg Sieber zeigt.
Ergänzend widmet sie sich ab 2006 in einer umfassenden Serie von Gemälden dem Thema „Rings“. Dabei dient ihr das olympische
Emblem mit den fünf ineinander verschlungenen Ringen als Ausgangspunkt. Morris variiert die streng festgelegte Form und verändert
die ursprünglichen Farben Blau, Gelb, Schwarz, Grün, Rot auf weißem Grund. Diese repräsentieren die verschiedenen Nationalflaggen,
während die Ringe sinnbildlich für die fünf Kontinente stehen.
Im Diptychon „1972 [Rings]“ (2006) löst Sarah Morris das statische und ikonische Logo auf, indem sie die Ringe ineinander
verzahnt, aufteilt, zerschneidet und in mehreren horizontalen Reihen anordnet. Das sich daraus ergebende repetitive Muster
erzeugt ein Gefühl von Bewegung in zwei Richtungen und suggeriert eine vorübergehende Auflösung der Form wie bei einer Betrachtung
unter hoher Geschwindigkeit. Gleichzeitig wird diese Illusion von Bewegung aufgehalten und es entsteht ein kompliziertes „dekoratives“
Muster, das einerseits Anklänge an die ursprüngliche Inspirationsquelle enthält und andererseits der bekannten Abstraktionssprache
ein neues Vokabular und neue Bedeutungen verleiht.2
Lisa Grünwald
1) Diedrich Diederichsen in: Sarah Morris ‘1972’, Ausst. Kat. Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München, Köln
2008, S. 11. 2) Christoph Grunenberg in: Aspekte des Sammelns, Ausst.-Kat. Essl Museum, Klosterneuburg/Wien 2009, S. 125.