Hans Staudacher

1923 geboren in St. Urban (Kärnten), Österreich
Lebt und arbeitet in Wien

Hans Staudacher

1923 geboren in St. Urban (Kärnten), Österreich
Lebt und arbeitet in Wien

Persönliche Daten

1954 – 1962 Mehrere Aufenthalte in Paris
1956 Österreichischer Beitrag auf der 28. Biennale in Venedig
1965 Hauptpreis der Biennale in Tokio
1976 Verleihung des Professorentitels
1991 Ehrenmitglied der Wiener Secession
2004 Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
            Großes Goldenes Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse der Republik Österreich

ZUM WERK

 „Malerei und Poesie erzählt nicht mehr, sie handelt.“ 1
So schreibt Hans Staudacher in seinem 1960 verfassten Manifest den für ihn zur Parole gewordenen Leitsatz, der sein gesamtes, in mehr als 60 Jahren geschaffenes Werk prägt.
 
Bereits in den 50er Jahren beginnt der Autodidakt Staudacher in sehr konsequenter Weise eine aus dem spontanen Reflex des eigenen Ichs geschaffene Malerei zu verfolgen. Lassen sich in den 40er und frühen 50er Jahren noch kubistische Tendenzen in seinen Arbeiten erkennen, strebte er bereits wenig später danach, seine Bildschöpfungen immer mehr in tachistischen Ausbrüchen aufzulösen. Die bis dahin ohnehin nur sehr reduziert auftretenden gegenständlichen Elemente wurden weitestgehend vermieden und einer Malerei des individuellen und spontanen Ausdrucks Platz gemacht.
 
Staudachers mehrfache Paris-Aufenthalte zwischen 1954 und 1962, bei denen er sich intensiv mit Werken von Georges Mathieu und dem lyrischen Informel auseinandersetzt, verfestigten seine Hinwendung zu einem informellen Kunstschaffen.
Zusehends erscheinen gestisch aufgetragene Zeichen und Spuren als graphische Struktur über einer durch helle und dunkle Farbflächen zusammengehaltene Bildfläche. Geprägt ist sein Werk fortan von seinem spontanen, malerischen Gestus und von einer offenen und prozessualen Bildform, die Staudacher oft in mehreren Sitzungen überarbeitet.
 
Wie die Werke der späten 1950er und 60er Jahre zeigen, treten neben dem Malerischen gestempelte Ziffern oder Elemente in Schreibschrift auf2: In Arbeiten, wie „Vater Unser“, 1969 wird sein Sinn für Sprache offensichtlich. Staudacher spielt mit bedeutungsschweren Textpassagen, die kompositorisch gleichberechtigt neben den malerischen Elementen bestehen. In konsequenter Weiterverfolgung seines Interesses an Satz-Aussagen und malerischer Geste wird das Werk „Lyrischer Seelengarten“ (1955-1960) zum Träger von Schriftkürzeln, die sich in einen zur Mitte hin verdichtenden Farbraum verflüchtigen. Daneben schafft Staudacher Bilder, die von einem kalligraphie-haften Gitternetz durchwirkt scheinen. Ähnlich einer spontanen Gefühlsäußerung, sind sie ihrer inhaltlichen Bedeutung weitestgehend enthoben und verwischen somit die Grenze zwischen chiffrenartiger Zeichensetzung und malerischer Geste.3  
 
Ab den 70er Jahren verstärken sich die genannten Beobachtungen: Farbe (braun, blau, rot, schwarz und ocker) und Schrift sowie die malerischen Elemente werden zu einem komplexen Ganzen, das aus konkreten ebenso wie unentschlüsselbaren Zeichen und gestischen Linien bestehen kann. Schwarz tritt in vielen Werken an zentraler Stelle als Vertikale und Horizontale in den Vordergrund, das sich an seinen Kreuzungspunkten verdichtet und den gesamten Bildraum in Schwingung versetzt. Im gänzlich aufgelösten Raum wird der Betrachter durch die Dynamik der Farben und Formen visuell in die Tiefe gezogen.
 
Bereits in den 80er Jahren wird schließlich eine künstlerische Zugangsweise Staudachers offensichtlich, die sich bis in die jüngste Zeit fortsetzt. Neben seinen intensivfarbigen, malerisch dichten Arbeiten, schafft Staudacher vibrierende Arbeiten, die durch eine verhaltenere Farbgebung geprägt sind. Die Bilder wirken fast poetisch, entbehren in dieser Phase jedoch nicht der kraftvoll, malerischen Äußerung des Künstlers.4
 
Staudachers künstlerische Vorgangsweise bleibt während seines ganzen Schaffens stets unmittelbar und spiegelt „die spontane Projektion seiner Empfindungen auf die Leinwand“5 wider, und entspricht somit zutiefst dem informellen Kunstschaffen. Seine Arbeiten zeugen von Improvisationslust und einem Gefühl für Rhythmus und Bewegung in der Komposition.  
Entspringt Staudachers Kunstschaffen zwar der Haltung der Nachkriegsgeneration, die sich von geltenden Normen und Konventionen im künstlerischen Schaffen distanziert, blieb er trotzdem eine sehr individuelle künstlerische Erscheinung, die in Österreich kaum vergleichbare Positionen findet.
 
Viktoria Tomek
 
1) Andrea Madesta (Hg), Hans Staudacher. Eine Retrospektive, AK Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt, 2007, S. 9.
2) ebenda, S. 9-13 u. 149.
3) Günther Dankl , „Poesie und Gestik“, in:  Hans Staudacher, Werke 1952-1997,  AK  Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, 1997, S. 3.
4) Andrea Madesta (Hg), Hans Staudacher. Eine Retrospektive,  AK Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt,  2007, S. 15-16.
5) Zitat nach Wilfried Skreiner, in: Hans Staudacher. Prinzip Informel, hrsg. von Galerie Ernst Hilger (Hg), Linz, 2001, S. 14.
 
Hans Staudacher, 20141 / 4
Ohne Titel, 19592 / 4
Ohne Titel, 19833 / 4
Kreuz, 19864 / 4
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